Unternehmer mit Innovation und Vision können Großes für Menschen bewegen. Das war schon früher so – zum Beispiel bei Werner von Siemens. Ein Gespräch.

Die eine: Ururenkelin eines der größten Unternehmer des 19. Jahrhunderts. Der andere: Gründer eines Startup. Nathalie von Siemens und Lennart Budelmann. Der Jungunternehmer ist Preisträger des empowering people. Award, mit dem die Siemens Stiftung technische Erfindungen auszeichnet, welche die Lebensqualität von Menschen in Regionen mit mangelnder Grundversorgung verbessern helfen. So wie die Innovation von Lennart Budelmann und seinen beiden Mitgründern: Das niederländische Unternehmen aQysta erleichtert mit intelligenten Pumpen die Bewässerung von Feldern – und zwar nur mit Wasserkraft. Nathalie von Siemens ist Geschäftsführender Vorstand der Siemens Stiftung und hat vor kurzem eine Briefedition ihres Ururgroßvaters Werner von Siemens herausgegeben („Der brodelnde Geist – Werner von Siemens in Briefen“). Sie ist überzeugt, dass die Geschichte ihres Ahnen junge Menschen dazu ermutigen kann, ihren unternehmerischen Weg zu gehen.

Beide trafen sich zu einem kurzen Gespräch in Berlin.

Nathalie von Siemens: Das 19. Jahrhundert hat viele Parallelen zu dem, was wir heute im 21. Jahrhundert erleben: Explosion des Wissens, Disruption durch Technologie, immer größere Beschleunigung. Es ist eine Welt, in der es große Herausforderungen gibt – aber auch viele Chancen, um durch den technischen Fortschritt die Lebensbedingungen von Menschen nachhaltig zu verbessern. Werner von Siemens sah genau hin und wollte mit Innovation und Technik Nutzen stiften für die Menschen und die Gesellschaft.

Lennart Budelmann: Was die richtige Technologie am richtigen Ort bewirken kann, ist schon beindruckend. Es ist großartig zu sehen, wie die Techniklösung, die man über Jahre hinweg entwickelt hat, nach und nach die Lebensbedingungen, Einkommens- und Zukunftsperspektiven der Menschen verbessert. Dort wo wir unsere Wasserpumpen einsetzen, werden Dieselmotoren bei der Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen überflüssig und der Ertrag steigt. Davon profitieren die Umwelt und der Mensch.

Nathalie von Siemens: Werner war ein brillanter Ingenieur und hätte ohne Probleme eine gut bezahlte Anstellung beim preußischen Staat haben können. Er war aber auch Geschäftsmann und hatte eine Vision. Die Freiheit, seine eigenen Ideen zu realisieren war ihm wichtiger als die Sicherheit, und so entschied er sich dafür, Unternehmer zu werden. Nicht jeder in seinem Umfeld hat ihm aufgrund des hohen Risikos dazu geraten, die wichtigsten Menschen in seinem Leben haben ihn aber glücklicherweise ermutigt. Wie wichtig ist für Sie die Unterstützung aus dem Freundeskreis und von Netzwerken?

Lennart Budelmann: Ich bin eher durch Zufall in Richtung Unternehmertum gekommen. Mein Studiengefährte Pratap aus Nepal, mit dem ich an der Uni in Delft studiert habe, hatte die Vision, durch Wasserkraft dieselgetriebene Wasserpumpen überflüssig zu machen. Zusammen mit ihm und Fred habe ich aQysta gegründet und das selbstständige Arbeiten und Entwickeln hat mich sofort gepackt. Die Ermutigung durch Freunde und Familie ist ohne Zweifel von großer Bedeutung. Mit aQysta sind wir viel in Entwicklungsregionen unterwegs, geregelte Arbeitszeiten gibt es eher nicht, da ist man auf Verständnis angewiesen. Gerade wenn es darum geht, neue Ideen und Perspektiven oder auch einfach einmal praktische Hilfestellung zu erhalten, sind Netzwerke von Gleichgesinnten wie eben das empowering people. Network eine wichtige Bereicherung für unseren unternehmerischen Weg.

Fotografin: Katrin Aigner, Copyright: Siemens Stiftung

Text erscheint im Original in der aktuellen Ausgabe von enorm, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Nathalie von Siemens, Managing Director of the Siemens Stiftung and author, met with aQysta start-up founder Lennart Budelmann in Berlin to talk about her new book on her great-great grandfather Werner von Siemens and the current chances and risks of start-ups. Nowadays young founders have to be courageous in order to find their own entrepreneurial way. And they can still learn from experiences made more than hundred years ago. For both speakers it is obvious, that the willingness of being an entrepreneur is only possible due to the moral support of family and friends. Another important reason for success are supporting networks such as the the empowering people. Network. When it comes to establish new ideas or perspectives, or even simple practical help – the people of the network will support and help at any time.